„With or without you“, die Frage à la U2 stellt sich für Billy Idol nicht. Es geht nur „with Steve Stevens“. Und mit Derek Sherinian (Keys), Stephen McGrath (Bass) und Brian Tichy (Drums) hat er eine Superband am Start, die groovt wie die Hölle!
Nach einigem zögern aufgrund der mittlerweile unverschämt hohen Ticketpreise hatte ich mich doch entschlossen, mir den Pop-Punker mit der Stoppelfrisur und seinem Sideman mit den schwarz lackierten Fingernägeln mal live reinzuziehen.
Es gab keine Vorband, doch Mr. Idol schaffte es mühelos mit einem fast zweieinhalb stündigen Konzert den Abend auszufüllen und trotzdem sehr kurzweilig zu gestalten. Es wurden natürlich alle alten Hits präsentiert. Aber auch die Songs der neuesten CD fügten sich sehr gut in Billys Pop-Rock-Menü ein. Dazu gab es ein paar Covers wie z.B. Van Halens „Jump“, was mir eine hervorragende Möglichkeit bot, die Theke aufzusuchen. Passend zum Wetter schmetterte Billy außerdem den Mungo-Jerry-Gassenhauser „In the summertime“ in die Menge. Im Zugabenteil zeigte er, dass er ohne Probleme als Sänger bei AC/DC einsteigen könnte. Mit seiner Version von „Thunderstruck“ kam er gesanglich sicherlich näher an die CD Version heran, als dies Brian Johnson live je gelingen könnte.
Billy Idol kam sehr sympatisch rüber und ging sehr gut auf’s Publikum ein. Es waren Kleinigkeiten, die dies unterstrichen. Z.B. als er weit vorne im Publikum einen kleineren Jungen auf den Schultern entdeckte und ihm einen soeben handsignierten Drumstick entgegenstreckte. Außerdem übertrieb er es nicht mit seinem Dieter-Bohlen-Faust-in-die-Luft-bösen Gesichtsausdruck.
Bei „Eyes without a face“ konnte Bassist Stephen McGrath bei den Backing Vocals brillieren. Seine Statur und sein auf Heavy getrimmtes Äußeres ließen eher die Stimme einer Thrashband vermuten. Doch bei diesem Song glänzte er im Refrain mit seiner engelsgleichen und weichen Stimme.
Ein Höhepunkt des Abends war für mich als Gitarrist natürlich Steve Stevens. Seine präzise Spielweise ist einfach unschlagbar! Es gibt achtel Noten und achtel Noten beim Rhythmusspiel. Jeder kann sie spielen bei einem vermeintlich einfachen Song wie „Rebel Yell“. Aber er beherrscht sie wie kein anderer. Diese Anschläge, dieser Attack, dieser Drive! Hammergeil! Unglaublich was er dann in seinem Flamenco-angehauchten Solopart mit seiner Gitarre anstellt. Er spielte dermaßen schnell und dabei immer superpräzise, dass einem schwindelig wurde. Supergeil!!
Sehr unterhaltsam wurde es auch bei „Mony mony“. Den Anfang des Songs trommelte noch Brian Tichy, um dann von seinem Techniker an den Drums abgelöst zu werden, ohne dass der Wechsel zum Abbruch des Grooves geführt hätte. Brian Tichy hängte sich eine Les Paul fast auf Kniehöhe und leistete sich mit Steve Stevens ein kleines Gitarrenduell am vorderen Bühnenrand. Als Gitarrist wäre er in jeder Rockband auch sehr willkommen. Schließlich stand gegen Ende des Songs die komplette Band mit vier Gitarren und einem Bass bewaffnet am Bühnenrand, um sich zum Abschluss des Abends und der kompletten Tour nochmals richtig feiern zu lassen.
Als Rausschmeißer und allerletzten Song gab Billy alleine eine a-capella-Version von ‘We’ll meet again. Don’t know where, don’t know when’ zum Besten. Es war ein Superkonzert!! Ein paar Abzüge gibt’s allerdings beim Sound. Der Gesang stand gnadenlos laut über der Musik, die Gitarren waren kaum zu hören. Diesbezüglich erwartet man doch einiges mehr bei einem Eintrittspreis von fast fünfzig Euro.